Montag, September 06, 2004

Gestern war ich auf der Werkleitz-Biennale. Die war dieses Jahr nicht in dem namensgebenden Ort Werkleitz (bzw. Tornitz) in der Nähe von Magdeburg, sondern in Halle. Dort war es im Volkspark, einem Jugendstilgebäude aus den 20er Jahren, das damals von der SPD gebaut wurde.

Ich bin vormittags nach Halle gefahren, um die Austellungsführung um 12 Uhr mitzumachen. Ich war für einen Sonntag früh dran, habe aber den Veranstaltungsort nicht so richtig gefunden per Auto, obwohl ich wusste, dass er in der Nähe der Burg Giebichenstein (der Heimat der Kunsthochschule) ist. Aber die ist leider nicht so richtig ausgeschildert. Da habe ich irgendwann die Karre abgestellt und die Straßenbahn genommen.

Die Ausstellung war sehr interessant. Eines der ersten Exponate bestand eigentlich aus mehreren Exponaten, die von den lokalen Museen angefordert worden waren. Eines dieser Exponate wiederum ist die Statue des kleinen Trompeters. Der ist nämlich tatsächlich auf dem Volksparkgelände erschossen worden. Es gibt dazu ein bekanntes Lied mit dem makabren "lustigen Rotgardistenblut". Ich kenne den kleinen Trompeter hauptsächlich aus "Helden wie wir" von Thomas Brussig.

Sonst gab es Modelle von Architekturentwürfen aus den 20er und 50er Jahren, eine Arbeit, bei der eine Künstlerin in Indien Kleidung kauft, die durch die dortige Qualitätssicherung gefallen ist und diese mit einem eigenen Label versieht, eine kritische Arbeit zu Gentechnologie, etc. Sehr interessant fand ich auch eine Künstlerin, die zwei Brachflächen in der Nähe des Volksparks geöffnet und hergerichtet hat, indem sie Müll und Gefahrenstellen beseitigt und Trampelpfade durch das wuchernde Gras angelegt hat.

Auf dem Rückweg hat mich dann ein Ehepaar straßenbahnfahrkartentechnisch adoptiert. Die konnten mit ihren Dauerkarten jemand mitnehmen und fuhren in die Richtung, wo mein Auto stand. Jetzt habe ich dadurch also einen positiven Eindruck von den Hallensern, wo mir doch letzte Woche jemand gesagt hat, dass die noch muffeliger wären als die Magdeburger.

Kommentare:

Roland hat gesagt…

Hey, herzlichen Dank für den Bericht. Da ich ja dieses Mal nicht selbst dabei sein kann, ist so ein Bericht aus erster Hand eine feine Sache. Und wenn dabei sogar die Hallenser mal positiv bei weg kommen, ist das ja auch nicht verkehrt.

msia hat gesagt…

Jaja, die Hallenser, so freundliche Leute ;-) ich kenn sie nicht, eine der wenigen ostdeutschen GROSSstädte, in denen ich noch nie war. Und prima, dass du so ordentlich auf Kultur machst - das gefällt mir.
Ich sing den kleinen Trompeter hier und da mal dem Juri vor, wenn ich Aufmerksamkeit und so bei ihm erregen will. Ich kann aber nur wenige Textpassagen bzw. weiß den genauen Wortlaut nicht und dann reim ich mir immer was hölzernes zusammen... "Da kam eine feindliche Kugel bei einem so fröhlichen Spiel mit einem mutigen Lächeln unser kleiner Trompeter der fiel." Da wird mir aber immer mulmig ums Herz. Der gute Fritz(e) Weineck (so hieß auch mein Kindergarten). Und an dieser Stelle widersteh ich mal knallhart der Versuchung, den korrekten Text im Netz zu suchen.
Bis denne
Der MC